rosarote Distel mit drei Bienen am Nektar sammeln

Disteln, Karden und Mannstreu bereichern den Garten in allen Aspekten. Sie bieten Wildbienen, Schmetterlingen, anderen Insekten und Vögeln reichhaltig Nahrung. Auch als robuste und vielseitige Zierpfl anzen sind sie ein Gewinn.

Disteln sind weit mehr als piksende «Unkräuter». Ökologisch wie optisch gesehen sind sie ein wahrer Gewinn für jeden Garten. Sie bieten zahlreichen Insekten und deren Raupen eine Menge Pollen und Nektar sowie Schutz und nähren mit ihren proteinreichen Samen diverse Vögel im Winter. Auch als Zierpflanzen sind sie eine Bereicherung. Viele Arten und Sorten haben wunderschöne Blüten und bringen mit silbrigem oder bläulichem Schimmer Abwechslung ins Grün. Disteln sind zudem sehr pflegeleicht, robust und die meisten kommen mit Trockenheit gut zurecht. Die Hochblüte ist im Sommer, aber auch ausserhalb der Blütezeit sind sie mit ihren Samenständen sehr dekorativ.

Vielfältige «Disteln»

Botanisch gesehen ist «Distel» keine eindeutige Bezeichnung. Die Gruppe umfasst verschiedene Arten und Gattungen der Carduoideae, einer Unterfamilie der Korbblütler (Asteraceae). Bei uns in Mitteleuropa sind vor allem die Kratzdisteln (Cirsium), Ringdisteln (Carduus) und Kletten (Arctium) verbreitet. Die Kugeldisteln (Echinops) gehören ebenfalls dazu. Zu den eingebürgerten Arten zählen die imposante Eselsdistel (Onopordum acanthium), die Mariendistel (Silybum marianum) und die Artischocken (Cynara). Distel ist auch Namensbestandteil der Gänsedisteln (Sonchus). Wegen ihres distelähnlichen Aussehens werden die Karden (Dipsacus) und der Mannstreu (Eryngium) umgangssprachlich manchmal auch als Disteln bezeichnet.

Viele der Arten, darunter die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare), die Nickende Distel (Carduus nutans), die Krause Ringdistel (Carduus crispus) und die Eselsdistel (Onopordum acanthium), sind zweijährig. Im ersten Jahr bilden sie Grundblätter (Rosette), im zweiten Jahr streckt sich der Spross, danach stirbt die Pflanze nach reicher Aussaat ab. Trotz der kurzen Lebensdauer erreichen manche von ihnen erstaunliche Ausmasse. Die Eselsdistel zum Beispiel kann über zwei Meter hoch werden. Kugeldisteln und Mannstreu hingegen treiben als Stauden jedes Jahr neu aus.

Fast allen Disteln gemeinsam sind ihre piksenden Dornen. Mal ist die ganze Pflanze damit besetzt, mal nur die Blattränder, mal auch die Stängel und Blütenkelche. Auf alle Fälle können sich die meisten Disteln damit ganz gut vor potenziellem Frass schützen.

Rosarote Blüten der Distel mit Distelfinken
Der Distelfink sitzt im Sommer und Herbst oft auf Disteln und klaubt mit seinem relativ langen und spitzen Schnabel die Samen aus den Fruchtständen. Geeignete Nahrungspflanzen sind für den Distelfink jedoch oft Mangelware, was nicht zuletzt durch unseren «Sauberkeitsfi mmel» mitverursacht wird. (Foto Pixabay.com)

Disteln – geeignet für jeden Standort

Disteln sind vom Sumpf bis zur Steppe verbreitet. Deshalb findet sich für jeden Gartenboden, ob trocken, frisch oder feucht, eine passende Art. Auch schwere Lehmböden sind für manche Arten kein Hindernis. Die gängigen Disteln für den Garten bevorzugen einen Platz in der vollen Sonne, tolerieren aber auch Halbschatten. Wichtig ist ein durchlässiger Boden mit gutem Wasserabzug, denn Staunässe mögen sie überhaupt nicht.

Manche Arten wie die Gold- und die Silberdistel (Carlina vulgaris, Carlina acaulis) wachsen natürlicherweise eher auf mageren Böden. Ohne Düngung gedeihen sie aber auch in normaler Gartenerde. Dort fühlen sich auch die eleganten Kugeldisteln und die meisten anderen Disteln ausgesprochen wohl. Feuchter mögen es hingegen die Kohldistel (Cirsium oleraceum), die Sumpf-Kratzdistel (Cirsium palustre) und die Knollige Kratzdistel (Cirsium tuberosum). Auch der exotisch wirkende Alpen-Mannstreu (Eryngium alpinum) schätzt eher frischen sowie humus- und nährstoff reichen Boden.

Blühende Distel bei Sonnenschein mit Schmetterling
Karden locken unzählige Insekten an, wie beispielsweise den Kaisermantel (Argynnis paphia). Im Winter liefern sie in ihren dekorativen Samenständen wertvolle Samenkörner. (Foto: wivena)

Disteln sind pflegeleicht und genügsam

Disteln sind sehr genügsam und brauchen keine spezielle Pflege. Stehen sie am passenden Standort, sind Düngen und Wässern nicht nötig. Stauden wie die Kugeldistel (Echinops ritro) können nach der Blüte radikal zurückgeschnitten werden. So treiben sie nach etwa sechs bis sieben Wochen zuverlässig ein zweites Mal aus. Beim Mannstreu nach Möglichkeit Verblühtes regelmässig entfernen.

Optimale Pflanzzeiten für die mehr der Herbst. Zweijährige Arten sät man am besten im Sommer oder Spätsommer gleich an Ort und Stelle, denn die langen Pfahlwurzeln lassen sich schlecht verpflanzen. Wichtig ist ein guter Wasserabzug im Untergrund, denn Staunässe vertragen die Wurzeln nicht. Grossen Disteln wie Eselsdisteln sollte man genügend Platz einräumen und nicht grad an den Wegrand pflanzen, um allfällige Berührungen zu vermeiden.
Die staudigen Vertreter wie Kugeldisteln und Mannstreu bleiben im Winter standfest und sollten deshalb erst im Frühjahr vor dem Austrieb bodennah abgeschnitten werden. Im Herbst und Winter lässt man die Blütenstände stehen, denn sie geben Staudenbeeten Struktur und bieten Vögeln Nahrung.

Disteln und Pflanzpartner

Aufgrund ihrer schönen Optik und visuellen Bandbreite passen Disteln sowohl in Bauerngärten, modern gestaltete Gärten als auch in naturnahe Anlagen. Ihre Blüten wie auch ihr gesamter Wuchs haben einen starken Ausdruck. Hohe Arten wie Kohldistel (Cirsium oleraceum) oder Grosse Klette (Arctium lappa) sind hervorragende Strukturbildner, die sowohl in Einzelstellung als auch in Gruppen grossartig wirken. Niedrigere Arten wie Gold- und Silberdisteln eignen sich vor allem für Steingärten.
Dank ihrer einzigartigen Gestalt sind Disteln erstaunlich vielseitig kombinierbar. Sie passen ebenso gut zu den Blütensonnen des Roten Sonnenhuts (Echinacea) wie zu den doldenförmigen Blütenständen der Schafgarbe (Achillea) oder zu den Blütenkerzen der Königskerze (Verbascum). Schöne Partner sind auch verschiedene Wolfsmilcharten (Euphorbia). Ihr grüngelbes Laub harmoniert beispielsweise wunderbar mit dem Stahlblau der Edeldisteln.

Eher starre Disteln können effektvoll mit leichten Ziergräsern kombiniert werden. Die sanft wirkenden Ähren und Halme von Schwingel (Festuca), Reitgras (Calamagrostis), Zittergras (Briza) oder Federgras (Stipa) lockern die markanten Konturen der wehrhaften Pflanzen. Einen ähnlichen Effekt haben filigrane Blütenstauden wie Skabiose (Scabiosa). Ihre zierlichen Einzelblüten umtanzen die hoch aufgerichteten Disteln auf zauberhafte Weise.

fleissige Bienen auf blühender Distel
Die Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare) wird vor allem durch Hummeln, aber auch Käfer und andere Insekten bestäubt. Furchenbienen sammeln sich darauf in Scharen. (Foto wivena)

Tiere schätzen Disteln

Als äusserst reichhaltige Nektar- und Pollenquelle sind Disteln wahre Magneten für Insekten aller Art. Speziell Schmetterlingeschätzen sie sehr. So ernährt die unscheinbare Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) bis zu 50 Falterarten, unter anderem den Distelfalter (Raupen-Futterpflanze), das Veränderliche Widderchen (Nektarpflanze), den Grossen Perlmuttfalter (Nektarpflanze), den Schachbrettfalter (Nektarpflanze) oder den Apollofalter (Nektarpflanze). Die Eselsdistel wiederum ist Nektarpflanze für den rotbindigen Samtfalter und den Eselsdistel-Dickkopffalter. Wildbienen, langrüsselige Hummeln und Schwebfliegen fliegen auf alle Disteln, aber besonders auf die hübsche Nickende Distel (Carduus nutans).

Die nahrhaften ölhaltigen Samen vieler Disteln sind für den Distelfink reichhaltiges Winterfutter. Aber auch andere Finken- und Vogelarten picken die Samenkörner voller Eifer aus den starren Hüllen. Ameisen wiederum verbreiten die Samen durch Verschleppen. Auch kleine Säugetiere und Insekten schätzen die Samen, die sie anbohren, geschickt aus den Hüllen schlagen oder vom Erdboden aufsammeln.

Disteln sind ein Gewinn für jeden Garten, optisch wie ökologisch.

Disteln für den Garten

Alpen-Mannstreu - (Eryngium alpinum)

Blühende Alpen-Mannstreu im Sommer

mehrjährig Blütezeit: Juli bis August Höhe: 70 cm Standort: Beet, Balkon, sonnig, trocken – frisch, nährstoffarm – nährstoffreich Partner: Purpur-Witwenblume (Knautia macedonica), Quirlblütiger Salbei (Salvia verticillata), Blaustrahlhafer (Helictotrichon sempervirens)

Ruthenische Kugeldistel - (Echinops ritro)

Blühende Ruthenische Kugeldistel bei Sonnenschein
mehrjährig Blütezeit: Juli bis September Höhe: 80–100 cm Standort: Beet, Balkon, sonnig, trocken – frisch, nährstoffarm – nährstoffreich Partner: Dunkle Königskerze (Verbascum nigrum), Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca), Kleines Mädesüss (Filipendula vulgaris)

Wilde Karde - (Dipsacus fullonum)

Blühende Blüten der Wilden Karde im Sommer
zweijährig Blütezeit: Juli bis August Höhe: 100–200 cm Standort: Beet, Balkon, Kiesfläche, sonnig, halbschattig, eher nährstoffreich Partner: Gemeiner Beifuss (Artemisia vulgaris), Moschusmalve (Malva moschata), Wilde Möhre (Daucus carota)

Mariendistel - (Silybum marianum)

rosablühende Blüten der Mariendistel
zweijährig Blütezeit: Juli bis August Höhe: 150–200 cm Standort: Beet, Kiesfläche, sonnig, trocken – frisch, eher nährstoffarm Partner: Aufrechter Ziest (Stachys recta), Rosenmalve (Malva alcea), Rosmarin-Weidenröschen ( Epilobium dodonaei)

Gewöhnliche Berg-Distel - (Carduus defloratus)

rosablühende Blüten der gewöhnlichen Berg-Distel
mehrjährig Blütezeit: Juni bis August Höhe: 40–80 cm Standort: Beet, Kiesfläche, sonnig, trocken – mässig trocken, eher nährstoffarm – eher nährstoffreich Partner: Knäuelglockenblume (Campanula glomerata), Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Goldschopf-Aster (Aster linosyris)

Gemeine Kratzdistel - (Cirsium vulgare)

violette blühende Blüten der gemeinen Kratzdistel
zweijährig Blütezeit: Juli bis September Höhe: 80–150 cm Standort: Beet, Kiesfläche, sonnig, halbschattig, frisch – feucht, mässig nährstoffreich – sehr nährstoffreich Partner: Echter Eibisch (Althaea officinalis), Feld-Witwenblume (Knautia arvensis), Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Stängellose Kratzdistel - (Cirsium acaule)

Blühende Blüten der Stängellosen Kratzdistel

mehrjährig Blütezeit: Juli bis September Höhe: bis 30 cm Standort: Beet, Balkon, sonnig, trocken – frisch, mässig nährstoffwarm – mässig nährstoffreich Partner: Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Gemeiner Andorn (Marrubium vulgare), Gemeines Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)

Nickende Distel - (Carduus nutans)

Blühende Blüten der nickenden Distel in der Sonne
zweijährig Blütezeit: Juni bis August Höhe: 30–100 cm Standort: Beet, Balkon, sonnig, trocken – feucht, mässig nährstoffreich – sehr nährstoffreich Partner: Muskateller-Salbei ( Salvia sclarea), Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria), Wegwarte (Cichorium intybus)

Golddistel - (Carlina vulgaris)

Blühende Blüten der Golddistel im Sommer
mehrjährig Blütezeit: Juli bis September Höhe: 20–50 cm Standort: Beet, Balkon, Wiese, mässig trocken – feucht, sehr nährstoffarm – mässig nährstoffreich Partner: Skabiosen- Flockenblume (Centaurea scabiosa), Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Warzige Wolfsmilch (Euphorbia verrucosa)

Kohl-Kratzdistel - (Cirsium oleraceum)

Blühende Blüten der Kohl-Kratzdistel
mehrjährig Blütezeit: Juni bis Oktober Höhe: 80–150 cm Standort: Wiese, Teichrand, halbschattig, frisch – feucht, mässig nährstoffreich – sehr nährstoffreich Partner: Kantiger Lauch (Allium angulosum), Pracht-Nelke (Dianthus superbus), Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre)

Knollige Kratzdistel - (Cirsium tuberosum)

Blühende Blüten der knolligen Kratzdistel
mehrjährig Blütezeit: Juli bis August Höhe: 60–100 cm Standort: Beet, Balkon, Wiese, Teichrand, sonnig, halbschattig, frisch – feucht, eher nährstoffarm – mässig nährstoffreich Partner: Abbiskraut (Succisa pratensis), Sumpf-Schwertlilie (Iris sibirica), Trollblume (Trollius europaeus)

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NATURZYT Ausgabe Juni 2019, Text Iabelle Blum und Sebastian Wagener Fotos wivena, Pixabay, Dorothea Steffen

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