Das Laub von Bäumen ist kein Abfall, sondern enthält wichtige Nährstoffe. Es lässt sich gehäckselt hervorragend kompostieren. Angehäuftes Herbstlaub bietet zudem zahlreichen Tieren einen idealen Überwinterungsplatz.
Der Herbst gehört zu den schönsten Jahreszeiten im Garten: Die gelbe und rote Färbung des Laubs kommt durch die selteneren Sonnenstunden erst recht zur Geltung. Schon bevor der Frost die Stoffkreisläufe in den Blättern stoppt, beginnt in ihnen der Abbauprozess als Vorbereitung auf den Winter. Die abnehmende Tageslänge steuert diesen Prozess. Die Blätter sind kurz vor der Winterruhe jedoch höchst aktive Chemielabore. Die grünen Chlorophylle, eine Art «Sonnenkollektor» der Pflanzenzellen, werden jetzt nicht mehr gebraucht. Eine Milliarde Tonnen Chlorophyll weltweit wird jährlich im Herbst in den Blättern ab- und umgebaut. Wenn das Chlorophyll verschwindet, kommen die Carotinoide zum Vorschein, die vorher vom Blattgrün überdeckt wurden. Sie färben die Blätter so prächtig herbstlich. Die Abbauprodukte werden von den Bäumen wiederverwertet. In Rinde, Holz oder Wurzeln zwischengelagert, dienen sie im nächsten Frühjahr als Treibstoff bei der Bildung neuer Blätter.
Warum Herbstlaub für Garten und Boden so wertvoll ist
Wenn sich die Blätter bunt färben, ist dies zwar ein schöner Anblick – doch das ganze Laub, das nach den ersten kalten Nächten in Massen zu Boden fällt, bedeutet meist eine arbeitsreiche Zeit. Auch in kleinen Gärten kommen erstaunliche Mengen zusammen. Um in der Verbrennungsanlage entsorgt zu werden, ist das Laub jedoch viel zu schade. Die Blätter enthalten wichtige Nährstoffe, die dem mikrobiologischen Kreislauf unbedingt wieder zugeführt werden sollten. Denn nach dem Blattfall werden die Nährstoffe von Bakterien und Pilzen im Boden aufgenommen und zersetzt. Das Chlorophyll beispielsweise wird durch diesen Prozess für Pflanzen wieder verfügbar. Laub kann deshalb vielfältig im Garten genutzt werden – etwa als Nährstofflieferant für den Rasen, Wurmfutter im Kompost oder als schützende Abdeckung im Staudenbeet.
Herbstlaub auf dem Rasen: liegen lassen oder entfernen?
Bleibt Laub auf dem Rasen liegen, sollte man deshalb nicht gleich zum Rechen greifen. Denn fallen nur vereinzelt Blätter auf die Rasenfläche, können diese liegen gelassen werden. Wenn das Laub jedoch eine dicke Schicht auf dem Rasen bildet, ersticken die Gräser darunter. Wem das Zusammenrechen des Laubs auf dem Rasen von Hand zu mühsam ist, der kann zwei Arbeitsgänge miteinander verbinden und beim Rasenmähen einfach den Mähbalken hoch einstellen. Die Blätter werden kleingehäckselt und landen mit dem Gras im Fangkorb. Anschliessend kann das Laub kompostiert werden. Die gehäckselten Blätter können auch auf der Wiese liegen gelassen werden: Sie sind bis zum Frühjahr kaum noch zu sehen und bereits gut verrottet. Schon bald wirken sie als natürlicher Dünger.
Herbstlaub kompostieren: So wird Laub zu wertvollem Dünger
Zerkleinertes und fein gehäckseltes Laub verrottet aber auch auf dem Kompost gut. Das Laub darf durchaus feucht sein, wenn es auf den Kompost geworfen wird. Die Zugabe von Steinmehl ist dabei sinnvoll, um Mineralien zuzuführen. Frisches, noch feuchtes Laub sollte zudem mit einem Drittel Häckselgut gemischt werden. Durch das Strukturmaterial wird verhindert, dass das Grüngut verpappt und zu schwer wird. Mit den zusammengerechten Blättern gelangen zusätzlich Wurzelpilze in den Kompost, die für die Entwicklung der später damit gedüngten Pflanzen sehr förderlich sind.
Herbstlaub als Mulch: Beete und Pflanzen vor Frost schützen
Überall dort, wo eine schützende Abdeckung willkommen ist, kann man das Laub ruhig liegen lassen. Die Mulchschicht auf Beeten und zwischen Sträuchern und Bäumen darf bis zu zehn Zentimeter dick sein und kann mit der Gartenkralle leicht in den Boden eingearbeitet werden. Regenwürmer und andere nützliche Bodenlebewesen helfen bei dieser Flächenkompostierung. Einzig die Blätter des Walnussbaums sollten nicht als Mulch verwendet werden: Sie enthalten viel Gerbstoffe, können aber gemischt mit anderem Grüngut problemlos kompostiert werden. Herbstlaub schützt jedoch nicht nur mehrjährige Stauden im Beet vor zu tiefen Temperaturen, sondern auch empfindliche Gäste aus dem Süden. Wer im Haus keinen geeigneten Platz zur Überwinterung von Oleander, Engelstrompeten oder Zitruspflanzen hat, kann die Kübelpflanzen auch draussen überwintern. Eingepackt in ein Wintervlies werden die Zwischenräume mit trockenem Laub gefüllt, das eine hervorragende Isolierschicht bildet. Auch ausgepflanzte, besonders empfindliche Pflanzen wie Kamelien, winterharte Fuchsien oder Pampasgras sind froh um eine wärmende Laubdecke im Wurzelbereich.
Nicht nur der vielfältigen Nährstoffe wegen macht sich das Sammeln des Laubs bezahlt: Mit Astmaterial versehen und angehäuft dient es Kleinsäugern und Insekten als Unterschlupf im Winter. Gerade Igel und Eidechsen verbringen die kalte Jahreszeit gerne in Laubhaufen. Auch Insekten sind auf solche Winterlager angewiesen.
Herbstlaub entsorgen: Wann Laub nicht auf den Kompost gehört
Zur Kompostierung oder als Mulchschicht geeignet sind die Blätter aller Laubbäume. Eine Ausnahme bildet die weissblühende Rosskastanie, denn ihr Laub ist meist von der Kastanien-Miniermotte befallen. Die Larven der letzten Generation überwintern im Herbstlaub und schlüpfen im Frühjahr. Um die Verbreitung des Lästlings zu stoppen, sollte das Laub der örtlichen Kehrichtabfuhr mitgegeben werden. Wird das Kastanienlaub dem Hauskompost zugeführt, besteht die Gefahr, die Ausbreitung der Kastanien-Miniermotte zu unterstützen.
Wer jedoch Kehrichtsackgebühren sparen will und Laub selbst verbrennt, macht sich strafbar. In Siedlungsgebieten ist das Verbrennen von Herbstlaub generell verboten. Auch in ländlichen Gebieten darf Laub nur unter gewissen Bedingungen verbrannt werden: Man darf es bloss im eigenen Garten verfeuern, wenn es ganz trocken ist und keine grosse Rauchentwicklung entsteht. Oftmals geht dies jedoch kaum ohne massives Nachhelfen mit verbotenem Brandbeschleuniger. Rauchende Mottfeuer an Waldrändern sind letztlich ein unnötiges Relikt, das die Gesundheit der Betroffenen belastet. Zudem sind die Nährstoffe der Gartenabfälle sowieso viel zu wertvoll, um sich in Luft aufzulösen.

Laubbläser und Laubsauger: Warum sie Tieren im Garten schaden können
Die Motorisierung macht auch vor den Gartengeräten nicht halt – Rechen und Besen scheinen im Herbst endgültig passé. Turbinengetrieben dröhnen Laubsauger und schlucken Blätter, Zweige, Gras, Tannenzapfen und Abfall bis hin zur Getränkedose oder Zigarettenschachteln. Für den Sog, der alles mitreisst, werden Luftgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometer und Saugleistungen von bis zu zehn Kubikmeter pro Minute erzeugt. Mit Hilfe einer Häckselfunktion wird aufgesaugtes Laub gleich kompost- und mulchgerecht zerkleinert. Ganz praktisch, mag man denken. Leider ist jedoch eine Gefährdung zahlreicher boden- und krautschichtbewohnender Kleinlebewesen nicht ausgeschlossen. Käfer, Spinnen, Tausendfüssler, Asseln, Springschwänze und Amphibien werden sich kaum dem Turbo-Saugstrahl widersetzen können. Dasselbe gilt für Laubbläser, die mit ebenso viel Kraft Laub aus Ecken und auf Rasenflächen vor sich hertreiben und dabei viel Staub aufwirbeln – das Tragen einer Maske ist beim Einsatz deshalb empfehlenswert. Im Interesse naturnaher Gärten und der Artenvielfalt an Kleinlebewesen erscheint der Laubsauger- und Laubbläsereinsatz jedoch alles andere als angebracht, weshalb die Geräte am besten nur auf Parkplätzen oder Lagerflächen angewendet werden sollten. Der Lärm der motorisierten Geräte belästigt zudem die Nachbarschaft: Ein Laubbläser mit Verbrennungsmotor hat meist einen Schallpegel von über 100 Dezibel. Das ist ungefähr so laut wie ein Presslufthammer.

Laubhaufen als Winterquartier für Igel, Insekten und andere Tiere
Im Herbstlaub, in der Borke alter Bäume oder in Ritzen von Holzwänden und Steinmauern finden viele Kleinlebewesen wie Insekten oder Regenwürmer Schutz vor der Winterkälte. Auch zahlreiche Nützlinge wie etwa der Marienkäfer, dessen Larven im Jahr darauf die unbeliebten Blattläuse in Schach halten, überwintern ebenfalls im Laub. In einer stillen Ecke oder unter einer Hecke liegen gelassenes Laub oder aufgeschichtete Reisighaufen sind für viele der eifrigen Helfer ideale Rückzugsgebiete und Nahrungsquellen. Es lohnt sich deshalb, beim Aufräumen des Gartens nicht allzu ordentlich zu sein. Je wilder und chaotischer der Garten ist, desto nützlicher ist er für die Tier- und Pflanzenwelt. Dies gilt für Laub am Boden, aber auch für Ast- und Steinhaufen sowie Pflanzenstängel. Für unterschiedliche Tiere und Insekten dienen solche sogenannte Feinstrukturen als Unterkunft oder Futter. So entdecken auch Igel in unaufgeräumten Ecken des Gartens ideale Bedingungen für ihren Winterschlaf und naschen, wie Amseln und andere Vogelarten, gern vom reich gedeckten Tisch. Sie machen dabei freilich keinen Unterschied zwischen Nützlingen und Lästlingen und sorgen so für ausgeglichene Populationsbestände. Wer es überwinternden Nützlingen wie Wildbienen, Hummeln und verschiedenen Wespenarten oder Florfliegen besonders gemütlich machen möchte, kann zusätzlich an einem sonnigen Platz im Garten ein Insektenhotel aus Holz und Lochziegeln einrichten. Es dient den eifrigen Helfern durch den Winter als Brutstube und Unterschlupf.
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NATURZYT Ausgabe September 2025, Text Helen Weiss, Fotos Envato Elements

