Violette Blüten der Rosmarin

Rosmarin regt den Kreislauf an und stimuliert den ganzen Körper. Er klärt den Geist, stärkt das Gedächtnis und fördert die Konzentration.

Rosmarin in der Natur

Rosmarin liebt viel Sonne und Wärme. Seine ursprüngliche Heimat ist der Mittelmeerraum. Dort wächst er in üppiger Fülle an sonnigen Felshängen und kann als wilder Strauch in den Macchien bis zu 2 Meter hoch werden. Die duftende Gewürzpflanze schmückt bei uns viele Gärten, allerdings sollte sie im Winter vor Kälte geschützt werden, da Rosmarin meist nicht winterfest ist.

Rosmarin im Garten

Die Aussaat im Frühbeet ist möglich, braucht aber viel Geduld. Von grösseren Pflanzen können Sie Stecklinge schneiden, die sich leicht bewurzeln. Die Rosmarinpflanzen setzen Sie nach dem letzten Frost in durchlässige, mit Sand versetzte Erde. Rosmarin verträgt keine Staunässe. Ab August sollen die Pflanzen trocken und mager gehalten werden, damit das Holz ausreift. Überwintert der Rosmarin im Freien, wird er mit einer Abdeckung aus Reisig geschützt.

Botanische Merkmale des Rosmarin

Der immergrüne Strauch mit seinen nadelförmigen Blättern gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die jungen vierkantigen Triebe sind samtig behaart. Die schmalen, ledrigen, am Rande umgeschlagenen Blätter sind an der Oberseite glatt und dunkelgrün, an der Unterseite weiss-filzig behaart. Von März bis Juni erscheinen in den Blattachseln zartviolette oder weisse Blüten. Die ganze Pflanze verströmt einen stark würzigen Duft nach Kampfer und Nadelholz. Der Geschmack enthält eine herb-bittere Note.

Grüner Rosmarinzweig mit violetten Blüten

Richtig ernten und aufbewahren

Triebe, Triebspitzen, einzelne Blätter können Sie bis in den August schneiden oder pflücken, am besten an sonnigen Tagen zwischen 12 und 14 Uhr, dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten. Die Blätter rasch im Schatten trocknen und aromageschützt aufbewahren.

Etwas Geschichte und Mythologie zum Rosmarin

Rosmarin gehört zu den uralten, heiligen Kräutern. In der Antike war Rosmarin Aphrodite, der Göttin der Liebe und Schönheit, geweiht. Als Symbol der ewigen Liebe spielt Rosmarin in den Hochzeitsbräuchen verschiedenster Kulturen eine grosse Rolle. Jahrhundertlang trugen die Bräute Rosmarinkränze. Im alten Ägypten und auch in europäischen Ländern wurde Rosmarin den Verstorbenen ins Grab gegeben als Symbol des ewigen Lebens. Im Mittelalter verbrannte man Rosmarin und Wacholder in Häusern und Krankenzimmern zum Schutz vor Infektionen.

Was meinen die alten Kräuterkundigen zum Rosmarin?

Seit Langem gilt Rosmarin als Stärkungsmittel für Herz, Geist und Nervensystem, und die Heilwirkung von Rosmarin wird in vielen Kräuterbüchern beschrieben. Der Strassburger Kräuterheilkundige Wilhelm Ryff schrieb in der Renaissance über Rosmarin: «Die Geister des Herzens und des gesamten Körpers empfinden Freude durch dieses Getränk, das Mutlosigkeit und Sorgen vertreibt.» Der Berner Stadtarzt Otto Brunfels beschrieb in seinem Contrafayt Kreuterbuch von 1532 Rosmarin als gedächtnisstärkend, schützend vor der Pest, beherzt und fröhlich machend, wärmend und stärkend sowie die Jugend bewahrend. Paracelsus schätzte seine durchwärmende Wirkung bei Rheumaerkrankungen. Rosmarin gehörte zu den Lieblingspflanzen von Pfarrer Kneipp, und er empfahl Rosmarinwein bei Herzgebrechen oder zur Stärkung älterer, geschwächter Menschen

Rosmarin hilft bei Kreislaufschwäche

Rosmarin regt den Blutkreislauf an und stimuliert den ganzen Körper insbesondere bei Schwächezuständen mit niedrigem Blutdruck. Da er Herz und Kreislauf stärkt, wirkt er im ganzen Körper wärmend. Rosmarin stärkt das Nervensystem und wirkt belebend bei Niedergeschlagenheit. Er vertreibt Erkältungen und Infektionen der Atemwege. Wie andere aromatische Kräuter enthält Rosmarin antiseptisch wirkende ätherische Öle mit antibakteriellen und antimykotischen Eigenschaften.

Ein Verdauungsförderndes Küchengewürz

Die wärmenden und stärkenden Eigenschaft en des Rosmarins fördern den Fluss der Verdauungssäfte, wodurch eine schwache Verdauung verbessert und die Aufnahme der Nährstoffe optimiert wird. Die in Rosmarin enthaltenen Bitterstoffe stimulieren Leber und Gallenblase und fördern die Verdauung von Fetten. Durch eine verbesserte Leberfunktion unterstützt Rosmarin die Ausscheidung von Giftstoffen aus dem Körper, die für Kopfschmerzen, Reizbarkeit und allgemeine Unpässlichkeit verantwortlich sein können.

Rosmarin steigert die Konzentration

Durch eine Verbesserung der Durchblutung stimuliert Rosmarin das Gehirn und verbessert die Konzentration. Studenten trugen früher während des Lernens Rosmarinkränze auf dem Kopf, damit der Duft nah bei der Nase war und so den Geist anregte. Da Rosmarin die Durchblutung des Kopfes fördert und verspannte Muskeln lockert, kann er zur Vorbeugung von Migräne und Kopfschmerzen eingesetzt werden.

Rosmarin ist ein Kräuterheilmittel in der Frauenheilkunde

Rosmarin wirkt menstruationsfördernd und hilft bei zu schwacher Blutung. Er wirkt fruchtbarkeitssteigernd und regt den Eisprung an. Ausserdem wirkt Rosmarin als wehenerregendes Geburtsmittel, und Hebammen empfehlen erwärmende Rosmarinbäder, um eine schwache Wehentätigkeit zu verstärken.

Anwendungseinschränkungen:
Bei erhöhtem Blutdruck, zu starker Monatsblutung sowie in der Schwangerschaft darf Rosmarin nicht eingenommen werden.

Räuchern mit Rosmarin

Der intensive, würzige Duft wirkt kräftigend und belebend. Erschöpfung und Müdigkeit wandeln sich in Lebensfreude und Willenskraft. Eine Räucherung mit Rosmarin unterstützt bei Übergängen, um z.B. im Frühjahr die starren Reste des Winters zu vertreiben. Rosmarin hilft in Trauerphasen Abschied zu nehmen und lässt zurück zu Mut, Freude und Lebenslust finden.

Rosmarin in der Kräuterküche

Die grünen Rosmarinblätter verfeinern mediterranes Gemüse, Suppen, Eintöpfe, Pizzen, Bratkartoffeln und Tomatensosse. Mit Rosmarinzweigen kann man auch Essig und Olivenöl veredeln. Insbesondere bei fetten und gratinierten Speisen sorgt ein Zweig Rosmarin für leichtere Verdaulichkeit.

Rosmarin in der Kräuterapotheke

Rosmarin-Tee

1 TL Rosmarinblätter mit ¼ l heissem Wasser übergiessen, 7 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen. Morgens und mittags je 1 Tasse trinken. Bei stärkeren Beschwerden können Sie 15 Tropfen Tinktur pro Tasse zugeben, da alkoholische Auszüge kreislaufwirksamer sind. Übrigens: Das Kauen von frischen Rosmarinblättern erfrischt den Atem und kann Zahnfleischinfektionen vorbeugen.

Rosmarin-Wein

1 Handvoll frische Rosmarinblätter mit einer Flasche Weisswein übergiessen, nach 2 Wochen abseihen. 1 bis 2 Likörgläschen täglich bei Niedergeschlagenheit.

Rosmarin-Einreibung (Rosmarin-Spiritus)

50 g Rosmarin werden mit 250 g 70%igem Alkohol (aus der Apotheke) versetzt und 10 Tage lang ausgezogen. Danach wird abfiltriert und der Spiritus in eine dunkle Flasche abgefüllt. Äusserlich angewendet fördert Rosmarin die Durchblutung der Haut, durchwärmt kalte Hände und Füsse, was bei rheumatischen Beschwerden und Nervenschmerzen hilfreich ist.

Rosmarin-Bad

50g Rosmarinblätter werden mit 1 l Wasser versetzt, zum Sieden erhitzt, 30 Minuten lang ausgezogen und abgeseiht. Anschliessend die Abkochung dem Vollbad zugeben. Achtung: Rosmarin-Anwendungen sollten nicht am Abend eingesetzt werden, denn sie wirken stark anregend und vertreiben unter Umständen den Schlaf.
Quellen und weiterführende Literatur

  • Hatzfeld, H., Heilpflanzen als Wegbegleiter.
  • Kreuter, M.-L., Mein Kräuterbuch.
  • Loncar, S., Topolovec S., Kocevar Fetah, M., Bacac, N., Eine Prise Gesundheit.
  • Madejsky M.,Lexikon der Frauenkräuter.
  • McIntyre, Anne, Das grosse Buch der heilenden Pflanzen

Die Anwendung der angeführten Rezepturen erfolgt auf eigene Verantwortung und ersetzt keinen Arztbesuch. Eine Haftung der Verfasserin bzw. der Redaktion ist ausgeschlossen.


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NATURZYT Ausgabe September 2018, Text Ernestine Astecker, Foto AdobeStock

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