gelb-graue Schlagen schwimmt im Wasser
Elegant schlängelnd geleitet die Ringelnatter auf der Jagd durch das Wasser

Im Frühling erwacht die Ringelnatter aus ihrem Winterschlaf und macht sich in Feuchtgebieten auf die Jagd nach Fröschen und Fischen. Damit sich das einheimische Reptil wohlfühlt, benötigt es mehr Weiher und Tümpel in der Schweiz.

Nach altem Volksglauben soll die Ringelnatter kleine Kinder bewachen, Haus und Vieh schützen und ganz allgemein Glück und Segen bringen. Nicht selten stellte man ihr zum Dank ein Schälchen Milch vor die Tür. Heute bringt der Ringelnatter die Nähe zu den Menschen meist wenig Glück: Wie alle acht einheimischen Schlangenarten zählt auch sie in der Schweiz zu den gefährdeten Arten und ist vom Aussterben bedroht. Die Ringelnatter ist aufgrund ihrer Lebensweise auf Feuchtgebiete angewiesen – die Erhaltung und Schaffung natürlicher Lebensräume wie Weiher und Tümpel nutzen nicht nur ihr, sondern allen hierzulande heimischen Reptilien und Amphibien.

Die Ringelnatter (Natrix natrix) leidet neben den schwindenden Lebensräumen leider auch unter viele Vorurteilen: Wie alle Schlangen erweckt sie bei uns Menschen oftmals wenig Sympathie. Der Jöh-Effekt, den etwa der niedliche Biber, der süsse Feldhase oder der knuffige Igel für sich einheimsen können, kommt dem Reptil mit der kühlen Ausstrahlung in der breiten Öffentlichkeit nicht zugute. Dabei ist die anmutige Ringelnatter für den Menschen vollkommen ungefährlich und die Tiere pflegen auch untereinander einen friedfertigen Umgang. Es braucht deshalb mindestens einen zweiten Blick, um die Anmut der Ringelnatter zu erfassen. Ein raues Schuppenkleid, goldene Augen mit einer tiefschwarzen Iris und zwei helle, halbmondförmige Flecken im Nackenbereich machen die Ringelnatter zu einer kleinen Naturschönheit. Von diesem «Halsring» soll auch ihr Name stammen. Dieser könnte, so eine andere Erklärung, auch von ihrer Fähigkeit herrühren, sich stark einzuringeln. 

Grauweise Schlagen an der Sonne im Laub
Den Winter verbringen Ringelnattern oft in geschützten Quartieren, die etwa an Waldrändern oder in Komposthaufen liegen können.

Verhalten der Ringelnatter: Tarnung, Totstellen und Schutz vor Feinden

Während ihr gekieltes Schuppenkleid auf dem Rücken üblicherweise eine helle braune, olivgrüne oder graue Färbung aufweist, kommen in der Schweiz auch dunkelgraue oder sogar ganz schwarze Exemplare vor. Die häufiger vorkommende Unterart Barrenringelnatter trägt zudem auffallende schwarze Barrenzeichnung an den Flanken.

Um sie so genau aus der Nähe zu betrachten, muss man jedoch geduldig sein und etwas Glück haben, denn die Ringelnatter ist ein scheues Ding. Bei physischem Kontakt mit Menschen oder Fressfeinden täuscht sie zu ihrem Schutz sogar den eigenen Tod vor. Kann sie nicht rasch genug fliehen, legt sich die Ringelnatter mit zurückgelegtem Kopf und verdrehtem Körper schlaff auf den Boden. Fuchs, Hund und Katze reagieren bei ihrer Jagd stark auf Bewegungen. So lange sich ihre Beute regt, versuchen sie sie tot zu beissen. Ist diese erlegt, gehen sie jedoch nicht sofort zum Fressen über, sondern warten ein Moment ab. Wenn nun die vermeintlich tote Schlange in dieser Phase plötzlich davonschlängelt, kann sie entkommen. Die Ringelnatter ist in dieser Disziplin eine wahre Meisterin: In Extremfällen lässt sie sogar blutigen Speichel aus ihrem Mund tropfen.

Schlagen hebt dem Kopf aus der Wiese
Junge Ringelnattern sind nach dem Schlüpfen im frühen Herbst ganz auf sich allein gestellt.

Jagdverhalten der Ringelnatter: Nahrung, Beute und Lebensweise im Wasser

Angst muss der Mensch vor diesem ungiftigen Reptil nicht verspüren. Frösche, Kröten, Molche, Salamander oder Fische müssen sich jedoch in Acht nehmen, denn die Ringelnatter ist eine flinke Jägerin. Es ist atemberaubend, wie sie elegant schlängelnd die glatte Wasseroberfläche teilt, wenn sie sich auf die Jagd macht. Sie ist eine ausgezeichnete Schwimmerin. Ihre Beute frisst sie lebendigen Leibes, indem sie sie stückweise von hinten verschlingt. Mit bis zu anderthalb Metern Länge bei weiblichen Tieren – Männchen werden nur knapp einen Meter lang – ist die Ringelnatter ein imposanter Anblick. Sie wächst während ihres ganzen Lebens, weshalb grosse Tiere auch entsprechend alt sind. Wenn ihr das Schuppenkleid zu eng wird, häutet sie sich mehrmals im Jahr und streift die alte Haut an Gestrüpp oder Steinen ab.

Schlange mit Fisch im Mund an der Sonne
Die Beute, die aus Fischen und Fröschen besteht, wird meist lebend verschlungen.

Fortpflanzung der Ringelnatter: Eiablage, Entwicklung und Jungtiere

Nach dem Winterschlaf begibt sich das Männchen im Mai auf Brautschau. Die Damen machen ihm die Suche einfach, versammeln sie sich doch regelmässig an denselben Paarungsplätzen. Scheinbar sind weibliche Ringelnattern nicht besonders wählerisch. Der Herr muss weder durch prahlerische Showkämpfe mit Rivalen noch durch Brautgeschenke um die Gunst seiner Angebeteten buhlen. Sechs Wochen nach der Paarung wird das trächtige Weibchen zunehmend behäbiger und verbringt viel Zeit beim Sonnen, um so die Entwicklung der Embryonen zu fördern. Zur Eiablage muss sie dann teilweise weite Strecken zurücklegen, um geeignete Plätze aufzusuchen. Die 10 bis 40 Eier legt die Ringelnatter an warmen, geschützten Stellen ab. Kompost- und Grashaufen oder Baumstümpfe sind besonders beliebt. Durch die Abwärme aus dem Abbauprozess im Haufen werden die Eier auf natürliche Weise ausgebrütet.

Grauweisse Schlange hebt den Kopf an der Sonne
Nach der Paarung werden die trächtigen Weibchen zunehmend unbeweglicher und verbringen viel Zeit mit Sonnen.

Als liebevolle Mütter oder fürsorgliche Väter zeichnen sich Ringelnattern nicht aus: Nach der Eiablage verabschiedet sich Frau Ringelnatter sang- und klanglos und überlässt ihre Brut sich selbst. Auch den Vater lernen die jungen Schlänglein nie kennen, die nach dem Schlüpfen im frühen Herbst ganz auf sich allein gestellt sind. Sie wissen instinktiv, wie und was sie jagen müssen. Die Jungtiere sind mit ihren 14 bis 22 Zentimetern Länge und einem Gewicht von kaum drei Gramm auf kleine Happen wie etwa Kaulquappen und Jungfrösche angewiesen. Ältere Exemplare ernähren sich vor allem von Fröschen und Kröten. Zarte Molche und kleinere Fische werden ebenso gerne gefressen; ab und an stehen auch Mäuse und Schnecken auf dem Speiseplan.

schwarze schlange mit oranger Zeichnung am Kopf
In der Schweiz kommen auch dunkelgraue oder sogar ganz schwarze Exemplare vor.

Schutz der Ringelnatter: Lebensräume erhalten und Artenvielfalt fördern

Zwar kommt die Ringelnatter noch in der ganzen Schweiz vor, zu beobachten ist sie aber meist nur noch in geschützten Auengebieten entlang von Flüssen und an naturnahen Ufern von grösseren und kleineren Seen. Durch die Landwirtschaft und die Bautätigkeit wurden in den letzten Jahrzehnten enorme Naturwerte vernichtet, und dieser Prozess hält an. Wer selbst etwas zu einem besseren Lebensraum der Ringelnatter beitragen möchte, kann die Bemühungen jener politischen, institutionellen und privaten Akteure unterstützen, die sich für mehr Natur in der Schweiz einsetzen. Privatgärten sind hingegen oft zu klein für Ringelnattern: Trotzdem lohnt sich eine naturnahe Pflege des Gartens allemal, da Asthaufen und Steinmauern auch Igeln, Eidechsen und Insekten als Unterschlupf dienen.

schlange von oben hinten fotografiert
Ein raues Schuppenkleid, goldene Augen mit einer tiefschwarzen Iris und zwei helle, halbmondförmige Flecken im Nackenbereich machen die Ringelnatter zu einer Naturschönheit.

Im Feuchtgebiet lebt es sich gut

Tümpel, Weiher, Moore und Auenwälder wurden früher vermehrt trocken gelegt – damit verloren zahlreiche Amphibien und Reptilien ihre Lebensgrundlage. Wo es keine Frösche, Kröten und Molche mehr gibt, stirbt auch die Ringelnatter aus. Naturschutzorganisationen wie Pro Natura rufen deshalb Gemeinden dazu auf, Weiher und Teiche zu erhalten, zu vernetzen oder neu anzulegen. Pro Natura selbst hat zahlreiche Tümpel in den vergangenen Jahren im Rahmen der Kampagne «Mehr Weiher für Frosch & Co.» initiiert und geplant. Die Kampagne war sehr erfolgreich, es konnten 100 neue Tümpel und Teiche in der ganzen Schweiz realisiert werden. Doch noch sind es nicht genug, weshalb das Projekt weiterläuft .

Mehr Informationen zum Projekt «Mehr Weiher für Frosch und Co.»: https://www.pronatura.ch/de/weiher-fuer-frosch-co

Mehr Informationen zur Ringelnatter bei der karch: www.karch.ch  > Reptilien > Ringelnatter

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NATURZYT Ausgabe März 2025, Text Helen Weiss, Fotos Envato

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