Ein Wildtier läuft über schneebedecke Wiese im Winter

Wenn die Welt im weissen Schneekleid erstrahlt, wird es spannend. Denn plötzlich werden die normalerweise verborgenen Spuren der Wildtiere sichtbar. Dann beginnt das grosse Rätselraten: Wer hat unseren Garten besucht?

Spurensuche im Neuschnee -warum der frühe Morgen ideal ist

Es ist früh am Morgen und in der klirrendkalten Luft liegt der Duft von Schnee. Noch ist es mucksmäuschenstill im Park. Wir hören nur das leise Säuseln des Windes. Schnee fällt von Tannenästen, durch die ein Windstoss fährt. Doch die Spuren im Schnee beweisen, dass wir nicht die einzigen Lebewesen sind, die unterwegs sind. Wir haben richtig entschieden, zeitig aufzustehen. Im fluffigen Neuschnee ist auch der kleinste Abdruck gut sichtbar und noch sind die Spuren weder von Autos noch von Fussgängern oder Hunden verwischt.

Fuchs läuft über eine Wiese im Winter
Fuchs im Winterfell (Foto Judith Niggli/wildenachbarn.ch)

Trittsiegel und Fährten richtig unterscheiden

Auf einer Wiese stehen wir vor einem Wirrwarr aus Spuren. Wie ein zurück gespultes Video enthüllen uns die Spuren im Schnee die heimliche Aktivität der Wildtiere in der Nacht. Plötzlich wird sichtbar, wo Wildtiere hindurchgeschlüpft sind, wo sie sich für ein Nickerchen hingelegt haben und welche Pfade sie rege nutzen. Solche Schnee-Trampelwege können auf Wildwechsel hindeuten. Die Stelle sollte man sich merken, denn sie eignet sich für einen Fotofallenstandort besonders gut. Und wer hinterliess wohl diese Spur, die scheinbar im Nichts aufhört? Ein fliegender Fuchs? Oder vielleicht doch eher ein Eichhörnchen, das mit einem Sprung auf dem nächsten Baum gelandet ist?

Wollen wir die Frage nach dem Verursacher der Spuren beantworten, müssen wir uns etwas mit der Kunst des Fährtenlesens befassen. Die meisten Tierarten hinterlassen typische Fussabdrücke – auch Trittsiegel genannt. Die Abfolge von Trittsiegeln nennt man Spuren oder Schrittfolgen; oder wenn sie von Hirsch, Wildschwein oder Reh stammt, auch Fährte. Wichtig bei der Spurensuche ist, sowohl Trittsiegel als auch Schrittfolge zu beachten. Denn je nach Tierart braucht man beide Merkmale, um die Art zu bestimmen.

Spuren eines Fuches im Schnee
Fuchsspuren (Foto: Andreas Wenger/VFHF)

Fuchs oder Hund? Unterschiede der Pfotenabdrücke

Wie kann man die Spuren von Hund und Fuchs unterscheiden? Der Pfotenabdruck des Fuchses hat eine eher ovale Form. Meist deutlich sichtbar sind die Krallenabdrücke. Der Abdruck des Haushundes ähnelt zwar dem des Fuchses, ist jedoch rundlicher. Bei Haushunden kann zudem die Grösse je nach Rasse stark variieren. Ist der Fuchs zügig unterwegs, setzt er seine Pfoten beinahe in einer Linie ab. Diese Gangart nennt man «Schnüren». Hunde hingegen sind viel unregelmässiger unterwegs.

Typische Schrittfolgen von Hase, Eichhörnchen und Marder

Auch die Spuren der Marderartigen, der Hasen und Eichhörnchen zeichnen sich durch eine typische Schrittfolge aus. Marderartige bewegen sich häufig in Sprüngen fort, so dass die beiden Hinterfüsse in den Vorderfüssen landen. Die Spur des Feldhasen ist fast unverwechselbar: Er setzt die langen Hinterläufe vor die Vorderläufe, die er wiederum hintereinander platziert. Eichhörnchen haben an den Vorderfüssen vier Zehen und an den Hinterfüssen fünf Zehen, welche meist gut im Schnee sichtbar sind.

Spurenabdrücke eines Eichhörnchen im Schnee
Eichhörnchenspuren (Foto: Stefanie Argow)
Spurenabdruck eines Reh im Schnee
Rehspuren (Foto: Adobe Stock)

Tatzen und Hufe – Reh-, Dachs- und Hirschspuren erkennen

Bei den Säugetieren unterscheidet man zwischen Sohlen-, Zehen- und Zehenspitzengängern. Der Dachs ist ein Sohlengänger und hinterlässt einen Abdruck vom Ballen bis zu den Zehen, wobei die fünf Zehen beinahe waagrecht nebeneinander angeordnet sind. Der Fuchs gehört zu den Zehengängern. Das Reh hingegen ist ein Zehenspitzengänger, das heisst, es geht nur auf dem letzten Finger- bzw. Zehenglied. Der Hufabdruck des Rehs ist an der Dreiecksform leicht zu erkennen. Er ist mit ca. drei bis sechs Zentimetern zudem gut zu unterscheiden vom Abdruck des Rothirsches, der eine Grösse von sechs bis zwölf Zentimeter erreicht.

Spurenabdrücke eines Daches im Schnee
Dachsspuren (Foto: Nadja Schäfer/VFHF)
Spurenabdrücke eines Hasen im Schnee
Hasenspuren (Foto: Adobe Stock)

Spuren fotografieren und richtig dokumentieren

Auf unserer frühmorgendlichen Spurensuche konnten wir einige Trittsiegel bestimmen. Wir haben zudem fleissig Fotos gemacht. Das ist wichtig! Denn sie helfen uns im Nachhinein, unsere Artbestimmung zu bestätigen und die uns unbekannten Spuren zu ermitteln. Beim Fotografieren gilt es einige Regeln zu beachten. Trittsiegel sollten gerade von oben fotografiert werden und es gilt der Grundsatz «so nah wie möglich, aber alles muss drauf». Neben dem Winkel und der Distanz spielt auch das Licht bei der Aufnahme von Spurenbildern eine grosse Rolle. Es besteht sowohl die Gefahr der Überbelichtung als auch, dass das Foto zu dunkel ist. Deshalb, und weil verschiedenes Licht verschiedene Details freilegt, ist es sinnvoll, mehrere Fotos unter verschiedenen Lichtbedingungen aufzunehmen. Bei Sonne ein Foto der gleichmässig beschatteten Spur und ein Foto der von der Sonne beschienenen Spur. Bei schlechten Lichtverhältnissen wäre ein Foto mit Blitz und ein Foto ohne Blitz pro Spur ideal. Entscheidend für eine Bestimmung von Spuren anhand von Bildern ist zudem, dass die Grösse des Fundes eingeschätzt werden kann. Dies ist ohne eine Art von Massstab auf dem Foto nicht möglich. Dazu legt man eine Münze oder einen anderen genormten Gegenstand vor dem Fotografieren direkt neben die Spur.

Mit fortschreitender Tageszeit wird es jedoch immer schwieriger, Tierspuren unter den vielen Hundepfoten- und Reifenabdrücken zu entdecken. Und die eiskalten Zehen wären auch froh über etwas Wärme. Höchste Zeit also, uns mit einem heissen Punsch vor den Computer zu setzen und die gefunden Tierspuren auf die Meldeplattform zu laden. Und wir sind uns sicher, Sie sind nun bereit für Ihre eigene Spurensuche im Schnee. 


Schlafender Fuchs auf einer Betonplatte
Schlafender Fuchs. (Foto: Christine Moor/wildenachbarn.ch)

Verein StadtNatur

Der Verein StadtNatur besteht seit 2013 mit dem Ziel, die Natur in Siedlungsräumen sichtbar zu machen, zu schützen und zu fördern. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie lebendig es vor ihrer Haustüre zu und her geht. Das möchte der Verein ändern, denn wer die Vielfalt an Wildtieren im Siedlungsraum nicht kennt, kann sie auch nicht schützen. Im Gegenteil: Solche Wissenslücken führen dazu, dass immer mehr Lebensräume von Wildtieren zerstört werden. Mit den Projekten «StadtWildTiere » und «Wilde Nachbarn» werden gemeinsam mit der Bevölkerung Wildtierbeobachtungen gesammelt, um die Wildtiere im Siedlungsraum sichtbar zu machen und deren Verbreitung zu erforschen. Zusätzlich werden in vielen Regionen der Schweiz Exkursionen, Schulprojekte und Forschungsarbeiten durchgeführt, bei denen sich die Bevölkerung aktiv beteiligen kann. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Behörden fliessen die Erkenntnisse in die Stadtplanung mit ein, damit Eichhörnchen, Igel, Wildbienen und Co. auch in Zukunft einen Platz in unseren Dörfern und Städten haben.

Mehr zu den Projekten:

www.stadtwildtiere.ch

www.wildenachbarn.ch

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NATURZYT Ausgabe Dezember 2024, Text Katja Rauchenstein, Lisa Wirthner

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