In der Osterzeit begegnet man dem Osterhasen auf Schritt und Tritt, doch richtige Begegnungen mit einheimischen Hasen sind heutzutage seltener geworden. Die Veränderungen in ihrem Lebensraum machen ihnen zu schaffen.
Unterschiede zwischen Feldhase und Wildkaninchen: Merkmale und Verhalten
Hasen und Kaninchen sehen auf den ersten Blick mit ihren langen Ohren, dem weichen braunen Fell und dem kurzen Stummelschwänzchen sehr ähnlich aus. Doch bei genauerem Hinsehen werden Unterschiede deutlich. So sind Kaninchen kleiner und gedrungener und haben etwas kürzere Ohren als die Hasen. Die beiden Gruppen unterscheiden sich aber auch in ihrem Verhalten gegenüber Fressfeinden sowie in ihrer Fortpflanzungsstrategie. Kaninchen graben Baue, die ihnen Schutz bieten, und ziehen sich bei Gefahr in diese zurück. Hasen hingegen sind Fluchttiere und Meister der Tarnung, die sich dicht auf den Boden ducken oder flüchten, statt Schutz in einem Bau zu suchen. Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den Jungtieren: Kaninchenjunge sind Nesthocker. Sie werden nackt und blind geboren, verbringen die ersten Wochen ihres Lebens im Bau und werden etwa vier Wochen lang von ihrer Mutter gesäugt. Im Gegensatz dazu kommen Junghasen in einer Bodenkuhle im Offenland zur Welt. Sie sind bereits bei der Geburt behaart, haben offene Augen und werden schnell selbstständig.
Auch das Sozialverhalten unterscheidet die beiden Arten. Kaninchen sind gesellige Tiere, die in Gruppen von bis zu zwölf erwachsenen Tieren leben. Hasen hingegen sind Einzelgänger und begegnen Artgenossen nur während der Fortpflanzungszeit.
Feldhasen beobachten: Verhalten, Spuren und Lebensweise erkennen
Hasen sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv, doch während der Paarungszeit können sie gelegentlich auch tagsüber beobachtet werden. Auf den Meldeplattformen wildenachbarn.ch und stadtwildtiere.ch werden regelmässig spannende Beobachtungen mit tollen Bildern von Feldhasen gemeldet. So haben unsere Melder:innen Feldhasen beim Fressen in einer Blumenwiese, beim Spielen auf dem Feld oder auch beim Ruhen in geduckter Stellung fotografiert. Selbst wenn man den Feldhasen nicht direkt sieht, verraten manchmal Spuren seine Anwesenheit. Besonders typisch sind die Pfotenabdrücke, die sogenannten Trittsiegel, des Feld- und Schneehasen. Dabei werden die Hinterpfoten nebeneinander vor die hintereinander abgesetzten Vorderpfoten platziert. Auch die kleinen, etwa 15–20 mm grossen Kotpillen sind ein eindeutiges Indiz für ihre Anwesenheit.
Kaninchen hinterlassen ebenfalls gut erkennbare Spuren. Ihre Anwesenheit ist meist durch die charakteristischen Baue und die Häufchen von Kotkügelchen in der Umgebung deutlich sichtbar.
Hasenartige erklärt: Warum Feldhasen und Kaninchen keine Nagetiere sind
Hasen und Kaninchen sind keine Nagetiere wie zum Beispiel Mäuse, Eichhörnchen oder der Biber, sondern bilden die eigene Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha). Verschiedene morphologische Eigenschaften wie Schädelaufbau, Bezahnung und Bau der Hinterbeine unterscheiden die Nagetiere von den Hasenartigen.
Hasenarten in der Schweiz: Feldhase, Schneehase und Wildkaninchen im Überblick
In der Schweiz gibt es vier Vertreter in der Gruppe der Hasenartigen: den Feldhasen, den Schneehasen, das Wildkaninchen und das eingeführte Baumwollschwanzkaninchen. Der Feldhase ist mit drei bis fünf Kilo Körpergewicht der grösste Vertreter der Hasenartigen bei uns. Er kommt hauptsächlich in offenem Gelände und landwirtschaftlich genutzten Flächen, in lichten Wäldern und Waldlichtungen vor. Die Feldhasen können auch in Siedlungsnähe gesichtet werden. Mit etwas Glück trifft man sie in der Morgen- oder Abenddämmerung an Waldrändern oder auf angrenzendem Ackerland oder Wiesen an.
Der etwas kleinere Schneehase zeichnet sich durch sein weisses Winterfell aus und bewohnt höhere Lagen (über 1500 m ü. M.) als der Feldhase (bis auf 1800–2000 m ü. M.). Im Überlappungsgebiet kann es jedoch zu Verpaarungen zwischen den zwei Arten kommen. Während der Schneehase im Winter weisses Fell hat, bleibt das Fell des Feldhasen braungrau. Im Sommer trägt der Schneehase ebenfalls ein braunes Fell, kann aber durch den fast komplett weissen Schwanz und die etwas kürzeren Ohren vom Feldhasen unterschieden werden.
Das Wildkaninchen, die Stammform aller Hauskaninchen, lebt in der Schweiz nur noch in isolierten Vorkommen im Mittelwallis und bei Basel. Das Wildkaninchen stammt ursprünglich von der Iberischen Halbinsel. Bereits 1100 v. Chr. wurde es von den Phöniziern im Mittelmeerraum verbreitet, da es für sein Fleisch geschätzt wurde. Die ersten Nachweise in der Schweiz stammen aus dem Mittelalter (als Speisereste in einer Fundstelle), und es wird davon ausgegangen, dass die in der Schweiz existierenden Populationen auf verwilderte Hauskaninchen und durch Ansiedlungen durch die Jägerschaft zurückzuführen sind.
Das Baumwollschwanzkaninchen stammt ursprünglich aus Nordamerika, wurde in Italien ausgesetzt und kommt nun in den südlichen Tälern des Tessins vor.
Lebensraum des Feldhasen: Anpassung an Kulturlandschaft und Landwirtschaft
Der Feldhase stammt ursprünglich aus den Steppen der Ukraine und Südrusslands. In der Jungsteinzeit ist er zusammen mit dem Ackerbau nach Mitteleuropa gekommen. Als vor gut zwei-, dreihundert Jahren die Ackerflächen des Schweizer Mittellandes durch die Dreifelderwirtschaft geprägt waren, ging es Meister Lampe wohl besonders gut. Die im Vergleich zu heute weniger dicht angesäten Felder und zeitweise brachliegenden Flächen waren für die Feldhasen gut zugänglich, lieferten wertvolle Nahrungspflanzen und boten auch den Jungtieren ausreichend Schutz vor Fressfeinden.
Gefährdung des Feldhasen: Ursachen für den Rückgang in der Schweiz
Die Situation für Feldhasen hat sich in den letzten 60 Jahren verschlechtert. Einst weit verbreitet, sind ihre Bestände heute gebietsweise kleiner und isolierter. Hauptursache ist die Intensivierung der Landwirtschaft : Frühes und mehrfaches Mähen der Wiesen, der Verlust extensiv bewirtschafteter Flächen, dichter gesäte Getreidefelder und das Verschwinden wichtiger Lebensraumelemente wie Krautsäume oder Brachen setzen den Feldhasen stark zu. Zusätzlich tragen die Zerstückelung der Landschaft durch Strassen und Siedlungen sowie die Zunahme von Fressfeinden wie Rabenkrähen, Füchsen und Hauskatzen zum Rückgang der Population bei – besonders des gefährdeten Nachwuchses. Auch freilaufende Hunde können für die Junghasen gefährlich sein. Zusätzlich tragen weitere natürliche Faktoren wie länger andauernde kühle Regenperioden oder Krankheiten zum Bestandsrückgang bei.
Feldhasen schützen: Massnahmen für mehr Lebensraum und Artenvielfalt
Mit weniger intensiv bewirtschafteten Acker- und Wiesenflächen kann den Feldhasen geholfen werden. In Buntbrachen, vielfältiger Ackerbegleitflora und Blühstreifen finden die Feldhasen nicht nur Nahrung, sondern auch Deckung zum Schutz vor Fressfeinden und Orte für die Jungenaufzucht.
Zudem liesse sich die hohe Sterblichkeit der Jungtiere durch eine angepasste Mahd mit alternierenden Streifen oder später gemähten Bereichen reduzieren. Solche Fördermassnahmen helfen nicht nur dem Feldhasen, sondern auch anderen Tierarten wie der Feldlerche, dem Schwarzkehlchen oder der Dorngrasmücke.
Verein StadtNatur
Der Verein StadtNatur besteht seit 2013 mit dem Ziel, die Natur in Siedlungsräumen sichtbar zu machen, zu schützen und zu fördern. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie lebendig es vor ihrer Haustüre zu und her geht. Das möchte der Verein ändern, denn wer die Vielfalt an Wildtieren im Siedlungsraum nicht kennt, kann sie auch nicht schützen. Im Gegenteil: Solche Wissenslücken führen dazu, dass immer mehr Lebensräume von Wildtieren zerstört werden. Mit den Projekten «StadtWildTiere » und «Wilde Nachbarn» werden gemeinsam mit der Bevölkerung Wildtierbeobachtungen gesammelt, um die Wildtiere im Siedlungsraum sichtbar zu machen und deren Verbreitung zu erforschen. Zusätzlich werden in vielen Regionen der Schweiz Exkursionen, Schulprojekte und Forschungsarbeiten durchgeführt, bei denen sich die Bevölkerung aktiv beteiligen kann. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Behörden fliessen die Erkenntnisse in die Stadtplanung mit ein, damit Eichhörnchen, Igel, Wildbienen und Co. auch in Zukunft einen Platz in unseren Dörfern und Städten haben.
Mehr zu den Projekten:
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Weitere Themen rund um unsere Wildtiere die lehrreich sind:
Freie Bahn für Igel, Eichhörnchen & Co.
Greifvögel schützen: Greifvögel und ihre Stellung im Ökosystem
NATURZYT Ausgabe März 2025, Text Katja Rauchenstein, Julia Schmid

