Fleissig, zielstrebig und ständig im Eiltempo unterwegs: Ameisen sind ein Sinnbild für eifrige Betriebsamkeit. Dank perfekter Zusammenarbeit leisten die winzigen Krabbeltiere einen massgeblichen Beitrag zum Funktionieren des Ökosystems in unseren Gärten.
Die Erde vor rund 130 Millionen Jahren: Am Himmel ziehen Flugsaurier mit riesigen Spannweiten ihre Kreise und gewaltige Dinosaurier beherrschen während der Kreidezeit das Leben auf dem Land. Inmitten dieser Riesen krabbeln die ersten Ameisen ihres Weges – im Gegensatz zu den Giganten haben sich die Winzlinge bis heute behauptet. Ameisen sind wahre Erfolgsinsekten: Gut zehn Billiarden von ihnen sollen auf der Erde leben – von den warmfeuchten Tropen bis ins eisig kalte Sibirien. Nur in die Antarktis sind die winzigen Welteroberer noch nicht vorgedrungen. Es ist denn auch ihre Masse, die ihr Überleben sichert: Alle Ameisen zusammen wiegen mehr als alle Menschen auf der Erde. Weltweit gibt es 12 600 verschiedene Arten, allein in der Schweiz sind 131 bekannt.
Beim Anheben alter Pflastersteine oder Bodenplatten im Garten stösst man (Myrmica rubra). Die vier bis sechs etwa öfters auf die Rote Gartenameise Millimeter grossen Arbeiterinnen machen sich meist sofort daran, die kleinen weissen Larven in Sicherheit zu bringen. Dabei kommt man ihnen besser nicht zu nahe, denn wie alle Mitglieder der Knotenameisen sind sie mit einem Stachel ausgestattet, dessen Stich unangenehme Schmerzen verursacht, welche vergleichbar mit der Berührung von Brennnesseln sind. Gefährlich ist die Rote Gartenameise aber nicht. Sie breitet sich gerne aus und bildet sogenannte Superkolonien mit mehreren Nestern und 15 Königinnen. Die Rote Gartenameise ist zudem für den Fortbestand des Wiesenknopf-Ameisenbläulings verantwortlich – wenn auch nicht ganz freiwillig. Mit speziellen Honigduftdrüsen macht sich die Larve des einheimischen Schmetterlings für die Ameisen so attraktiv, dass sie von ihnen adoptiert und ins Nest getragen wird. Dort lebt sie wie die Made im Speck, lässt sich von den Arbeiterinnen verköstigen, nascht Ameisenlarven und verpuppt sich. Kaum dem Kokon entschlüpft , muss der Schmetterling dann jedoch pressieren, um aus dem Nest zu flattern – sonst wird er selbst zum Futter für die Ameisenbrut.
Hochzeitsflug der Ameisen: Wie neue Ameisenvölker entstehen
Zwar mag diese schmarotzerische Beziehung des Bläulings zur Roten Gartenameise brutal anmuten – solche einseitigen Symbiosen kommen in der Natur jedoch öfters vor. Andere Beziehungen zu Insekten sind für die Rote Gartenameise gewinnbringender. Am bekanntesten ist wohl jene mit den Blattläusen: Die Roten Gartenameisen halten die saugenden Insekten wie Rinder, beschützen sie vor Gefahren und erhalten im Gegenzug süssen Honigtau, den die Läuse absondern. Auch die Schwarze Wegameise (Lasius niger) hält sich gerne eine Herde Blattläuse, die sie durch ein kurzes Trommeln auf den Rücken zum Absondern des süssen Tautropfens animiert. Sie baut ihre Nester deshalb gerne in der Nähe von Pflanzen, wo sie die Blattläuse gut erreichen kann. Aber auch im Rasen lässt sich diese Ameisenart gerne nieder, deren Königinnen acht bis neun Millimeter gross werden.
Besonders spektakulär ist der «Hochzeitsflug» der Schwarzen Wegameise, denn die Paarung erfolgt durch geflügelte Exemplare. Es ist deshalb nicht ungewöhnlich, wenn man an einem heissen Sommertag im Juli tausende Schwarze Gartenameisen davonfliegen sieht. Nach der Paarung sterben die Drohnen, die junge Königin beisst sich die Flügel ab und gründet ein Nest. Sie verschliesst sich in einer unterirdischen Kammer, legt Eier und zieht die ersten Arbeiterinnen auf.
Ameisen und andere Insekten: Symbiose mit Blattläusen und Bläulingen
Während man die Schwarze Wegameise auch öfters in Städten antrifft , wo sie sich in Mauerritzen ansiedelt, zieht die Gelbe Wiesenameise (Lasius favus) eine natürliche Umgebung vor. Sie lebt oftmals unbemerkt unter uns, obwohl sie hierzulande zu den häufigsten Arten gehört. Da sie sich fast ausschliesslich von Honigtau ernährt, welchen sie von Wurzelläusen gewinnt, die sie in den unterirdischen Nestern züchtet, hat sie sich bestens in ihrem «Homeoffice» eingerichtet. Sie ist ein richtiger Stubenhocker und verlässt nur selten das Nest, um nach Nahrung zu suchen. Die Erdnester, die über nur wenige Ausgänge verfügen, finden sich oft unter Steinen und sind meist komplett von Gras überwachsen, weshalb man sie kaum sieht. Grosse Nester können die Höhe eines Maulwurfhügels erreichen. Eine Kolonie der Gelben Wiesenameisen wird in der Regel von mehreren Königinnen gegründet, die später gegeneinander kämpfen.
Auch diese Ameisenart unterhält eine Beziehung zu einem Bläuling, profitiert aber im Gegenzug zur Roten Gartenameise von der Symbiose. Die Raupe des Hauhechel-Bläulings gibt Drüsenorgan- Sekrettropfen ab und wird dafür von den Ameisen bewacht und beschützt. 75 Prozent aller Bläulingsarten stehen übrigens in einer Beziehung zu Ameisen – wer die hübschen Falter durch den Garten flattern sehen möchte, muss also auch mit den Ameisen vorliebnehmen. Doch das ist bei weitem nicht einzige Grund, warum man sich über die fleissigen Krabbeltiere in Beet und Rasen freuen sollte. Denn die sechsbeinigen Hautflügler halten die Ökosysteme in Wald, Flur und Garten in Schuss. Durch ihre Wechselbeziehungen zu unzähligen Tier- und Pflanzenarten schaffen sie ein fein austariertes Netz von Abhängigkeiten in ihrem Lebensraum. Als ein weiteres Beispiel sei hier die Pfingstrose genannt: Wer im Frühling auf deren kugelrunden Knospen Ameisen entdeckt, sollte sich nicht sorgen. Die Kleinen schlürfen den Zuckersaft zwischen den eng zusammengerollten Blütenblättern. Das dient auch den Pfingstrosen, die dadurch ihre Blüten leichter öffnen können, denn der Saft ist sehr klebrig.
Ameisen als Nützlinge: Warum sie für Garten und Boden wichtig sind
Als wichtiger Bestandteil des Naturkreislaufs stellen sie dank ihrer Masse aber auch eine Nahrungsquelle für Insekten, Spinnen, Vögel, Mäuse sowie Raubsäuger in Siedlungsgebieten wie Igel, Füchse und Marder dar. Gleichzeitig beeinflussen Ameisen ihre Umwelt nachhaltig: Sie schichten die oberen Erdschichten um, bauen pflanzliches Material ab und verbreiten Pflanzensamen. Sie sind wichtige Bodenverbesserer, da sie durch den Bau oder Umbau ihrer Nester den Untergrund auflockern. Pflanzen sind dadurch wüchsiger und das Regenwasser dringt rascher durch die Erde zu den Pflanzenwurzeln und später ins Grundwasser vor.
Ihre wichtigste Aufgabe aber ist – zumindest aus Sicht der Hobbygärtnerinnen – die Reduktion der Schadinsekten.
Die Futtersuche erfolgt in der Regel im Umfeld des Baus, in einem Radius von bis zu 30 Metern. Für die Beutejagd bilden spezialisierte Arbeiterinnen Truppen und ziehen gemeinsam los; bei Schwarmjagden geht es dann mit mehreren tausend Tieren so richtig rund. Die Schwarmintelligenz führt dabei zur fettesten Beute. Die Ameise beisst ihr Beutetier und spritzt anschliessend Ameisensäure in die Wunde. Der Geruch der Ameisensäure lockt zugleich andere Ameisen an, die dabei helfen, dass Beutetier mit grossem Hurra in den Bau zu tragen. Ab und an wird auch ein toter Regenwurm oder eine verendete Made nicht verwehrt – so lange das Aas noch saftig und knackig ist, wird es gern verspeist. Gartenameisen helfen so bei der Beseitigung von Tierkadavern und sind als «Putztrupp» aktiv. Die kleinen Gartenbewohner sind jedoch nicht nur gekonnte Jägerinnen, sondern ebenso emsige Sammlerinnen. Und – auch wenn man es ihnen nicht ansieht – echte Muskelprotze: Ameisen können das 40-Fache ihres Eigengewichts tragen. Wären sie Menschen, könnten sie ein Nashorn über dem Kopf balancieren.
Wie Ameisen kommunizieren: Duftspuren und Pheromone
Gartenameisen helfen als Partnerinnen, unsere Gärten schön begrünt zu halten. Auf der Suche nach Nahrung schleppen sie Samen durch Beete und Rabatten und sorgen dadurch für die Verbreitung zahlreicher Wildpflanzen. So ernährt sich etwa die Rote Gartenameise auch von ölreichen Anhängseln an Pflanzensamen und fördern somit die Verbreitung dieser Pflanzen. Finden sie auf ihrer Sammeltour eine grosse lohnende Nahrungsquelle wie etwa ein Samenkorn, markieren sie den Weg mit kolonietypischen Pheromonen. Bevor sie mit der frohen Kunde zurück zum Bau eilen, nehmen sie einen Bissen, speichern das Futter im Kopfteil und würgen es für ihre hungrigen Artgenossen, denen sie unterwegs begegnen, hervor. So werden alle Ameisen auf dem Weg gleich verköstigt. Zudem lotsen Duftstoffe die restlichen Ameisen zur Nahrungsquelle, wodurch das ganze Volk gleichmässig versorgt wird.
Ameisenstaat und Ameisenvolk: Königin, Arbeiterinnen und Soldatinnen
Sowieso ist der Ameisenstaat straff organisiert. Zwar mag es auf den ersten Blick so aussehen, als würden die Winzlinge in den Nestern unkontrolliert umherwuseln. Doch in den Millionen-Metropolen mit 100 000 bis 1 Million Tieren ist vom Bauplan über die Hygiene bis hin zur Aufzucht der Jungmannschaft alles genau geregelt. Das Volk ist dabei strikt nach Funktionen gegliedert. So gibt es Arbeiterinnen, Soldatinnen und Königinnen. Trotz ihrer hohen Stellung haben die Hoheiten eine Herkulesarbeit zu erledigen. Sie legen vom Frühling bis zum Herbst ununterbrochen Eier. Damit das gigantische Gefüge im Innern des Nests reibungslos funktioniert, ist auch hier Kommunikation in Form von genau definierten Duft spuren der Schlüssel. Mit ihren Fühlern am Kopf können Ameisen tasten, riechen und schmecken; sie merken damit sogar, ob es wärmer oder kälter wird oder ob die Luft schmutzig ist – etwa an einem Strassenrand.
Ameisen im Garten vertreiben oder umsiedeln: So geht es schonend
Begegnet man einer Ameise im Garten, handelt es fast sicher um ein Weibchen. Männchen dienen bei den meisten Arten nur der Begattung und sterben nach dem Hochzeitsflug. Auf ihrer Erkundigungstour werden die Krabbeltiere manchmal etwas gar frech und versuchen, auch das Haus in ihr Jagd- und Sammelrevier einzubeziehen. Wer sie fernhalten will, kann es mit ätherischen Ölen versuchen. Bei Lavendel, Zimt, Nelken, Chilipulver und Zitrone nehmen sie Reissaus. Auch Gartenkalk ist eine bewährte Ameisenbarriere. Bauen die Nützlinge ihr Nest in zu direkter Nachbarschaft, lassen sie sich umsiedeln statt zerstören. Dazu stellt man einen mit Holzspänen gefüllten Blumentopf mit der Öffnung nach unten auf die Ameisenwege und wartet dann einfach ab. Nach einer Weile beginnen die Ameisen, ihr Nest in den Blumentopf zu verlegen. Sobald die Arbeiterinnen die Puppen in die neue Behausung tragen, ist der Umzug geritzte Sache. Haben sich die Sechsbeiner im neuen Zuhause eingelebt, hebt man den Blumentopf mit einer Schaufel auf und verlegt das Nest mindestens 30 Meter weit weg. So geht gute Nachbarschaft!
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