rosablühende Blüten der hundertblättrigen Rose

Wegen ihrer lebendigen Ausstrahlung und ihres wunderbar lieblichen oder betörenden Duftes wird die Rose vielerorts als «Königin der Blumen» bezeichnet. Mit der Rose verbinden wir Schönheit, Sinnlichkeit, Liebe und Anmut.

Seit über 5000 Jahren ist die Rose als Heilmittel bekannt. Schon die Perser verwendeten Rosenwasserkompressen bei Nerven-, Herz- und Magenbeschwerden.

Die wilde Rose in der Natur

Die Mutter aller Rosen ist die Wildrose, Heckenrose oder Hundsrose (Rosa canina). Man fi ndet sie an Waldrändern, bei Gebüschen, Hecken oder auf sonnigen Abhängen. Sie braucht Sonne und Wind, um ihre volle Blütenpracht zu entwickeln. Die Zweige sind mit vielen Stacheln besetzt und machen aus dem Rosenstrauch ein wehrhaft es, undurchdringliches Dickicht. Rosen gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie sind mit über 3000 Arten auf der ganzen Nordhalbkugel beheimatet. Typisch für die Rosengewächse sind die fünfzähligen Blüten- und Kelchblätter. Die junge Blüte mit ihren hell- bis dunkelrosa gefärbten Blütenblättern gleicht in der Form einem Kelch, ehe sich die Blüte als Kreis öffnet. Bei genauer Betrachtung sieht man, dass die einzelnen Blütenblätter eine Herzform zeigen. Die Blätter der Rose sind mehrfach gefiedert mit einem gezähnten Blattrand.

Im Spätsommer entwickeln sich aus den Blüten Scheinfrüchte, die Hagebutten. Im Inneren der Hagebutten finden sich steinharte, kleine Kerne umgeben von feinen, steifen Härchen. Diese Härchen sind als das «Juckpulver» aus der Kindheit bekannt.

Die edlen Rosen im Garten

Die Rose liebt einen sonnigen Standort mit lockerer Bodenbeschaffenheit. Sie hat gern ein laues Lüftchen, mag aber weder gestaute Wärme noch Staunässe. Gegen Läuse können die Rosen mit einem Brennnesselkaltauszug behandelt werden. Bei Mehltau oder Pilzen hilft Schachtelhalmbrühe oder Knoblauchtee. Die Blüten der Heckenrose (Rosa canina) aus der Natur und von duftenden Gartenrosen wie der Hundert blättrigen Rose (Rosa centifolia) oder der Damaszener Rose (Rosa damascena), die ohne Wachstumsbeschleuniger, Insektizide oder Kunstdünger gezogen sind, werden im Sommer bei voller Blüte am frühen Vormittag gesammelt, im Halbschatten getrocknet und duftdicht aufbewahrt.

Rosablühende Blüten der Wildrose
Die Blüten der Heckenrose (Rosa canina) aus der Natur - auch Wildrose genannt

Die Rosen, hochgeschätzt bei den alten Kräuterkundigen

Die Heilkraft der Rose ist seit über 5000 Jahren bekannt. Die Perser verwendeten Rosenwasserkompressen bei Nerven-, Herz- oder Magenbeschwerden. Auch die Ägypter verehrten die Rose als Heilmittel, und in der griechischen Antike bediente man sich des Rosenöls, um heilkräft ige Mittel herzustellen. Die Römer kochten mit Rosenöl und streuten Rosenblüten über ihre Festmähler. Ausserdem schmückten sie ihre Festsäle mit Rosenblüten. In mittelalterlichen Klöstern legte man bei Verbrennungen oder Entzündungen der Augen Kompressen aus Rosentee auf. Alle grossen Heilkundigen vergangener Zeiten wie Hippokrates, Hildegard von Bingen und Paracelsus schätzten die Wundheilkräfte der Rose.

Harmonische Komposition an Wirkstoffen

Rosen enthalten ätherische Öle mit über 400 unterschiedlichen Bestandteilen, genau das macht den besonders feinen und harmonisierenden Duft aus. Dieser Duft ist Balsam für die Seele, öffnet das Herz und wirkt stimmungsaufhellend. Dank den in ihnen enthaltenen Gerbstoff en und Flavonoiden wirken Rosen wundheilungsfördernd, entzündungshemmend, antiseptisch und zusammenziehend. So wird Rosentee zum Gurgeln bei Mund- und Rachenentzündungen angewendet. Bei Durchfall können Rosenblüten z.B. mit Gänsefingerkraut und Erdbeer blättern in einer Tee mischung kombiniert werden.

Rote Hagenbutten in der Sonne
Im Spätsommer entwickeln sich aus den Blüten Scheinfrüchte, die Hagenbutten.

Rosenöl – eine Kostbarkeit

Das echte Rosenöl wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen – für einen Liter Rosenöl braucht man etwa 4 bis 5 Tonnen Rosenblüten! So ist verständlich, warum echtes Rosenöl teuer ist. Günstige Rosenöle sind synthetisch hergestellt und in Duft und Wirkung nicht mit echtem Rosenöl zu vergleichen.

Kraftvolle Frauenheilpflanze

In der Frauen-Naturheilkunde wird die Rose in fruchtbarkeitsfördernden und aphrodisierenden Teemischungen eingesetzt. Rosenblütentee entspannt bei Menstruationsbeschwerden und auch bei Beschwerden vor der Menstruation. Frauen, die Rosenblütentee in den Wechseljahren trinken, erleben dies als Wohltat, denn er hilft die inneren Kräfte zu stabilisieren. Da Rosenblüten hautberuhigend und hautstärkend wirken, werden sie in Teemischungen bei Hautbeschwerden wie Akne angewendet.

Rose in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin)

Die thermische Wirkung ist kühl, die zugeordneten Organe sind Herz und Magen. Frische Blütenblätter bewegen das Blut, beeinflussen sanft das Herzgeschehen und lösen Leberstagnation auf. In der TCM werden Rosen bei Depression, plötzlichem Blutandrang und Sterilität eingesetzt.

Rosablühende Blüten der Damaszener Rose
Die Damaszener Rose (Rosa damascena) im Garten oder in freier Natur

Wildrose nach Dr. Bach

Die Blütenessenz «Wild Rose» hergestellt aus der Heckenrose (Rosa canina) ist eine der 38 Bachblüten. Wild Rose hilft Menschen, die im Leben an nichts interessiert sind, die an nichts wirklich teilhaben und keine Freude aufbringen, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben. Heckenrose weckt sie aus ihrem Dornröschenschlaf und weckt in ihnen Lebenslust und die Freude am Leben. Sie fördert Begeisterungsfähigkeit und unterstützt dabei, die eigene Lebensenergie anzunehmen. Heckenrose stärkt zudem die Bereitschaft , aktiv allfällige Umgestaltungen im Leben anzugehen.

Die Rose in der Kräuterapotheke

Rosenblüten-Essig

2 Handvoll duftender Rosenblüten in eine dekorative Flasche geben und mit mildem Apfelessig übergiessen. Die verschlossene Flasche einige Tage stehen lassen. Das ergibt einen Essig für zarte, feine Salate. Man kann die Rosenblüten im Essig belassen oder auch abseihen. Aus den duftenden Rosenblüten lassen sich auch Rosenhonig, Rosensirup, Rosengelee oder köstliche Desserts zaubern.

Rosenblüten-Tee

1 TL frische oder getrocknete duftende Rosenblüten pro Tasse mit heissem Wasser (nicht mit siedendem) übergiessen, 7 Minuten bedeckt ziehen lassen (damit das kostbare Rosenöl nicht verfliegt), abgiessen. 3-mal täglich 1 Tasse nach dem Essen ungesüsst trinken. Rosenblütentee unterstützt das allgemeine Wohlbefinden, wirkt entspannend und beruhigend und ist ein Tonikum für die Nerven. Der kalte Rosentee kann bei gereizten und entzündeten Augen für eine wohltuende Kompresse verwendet werden. Rosenblüten werden mit anderen Kräutern in Teemischungen z.B. bei Schlafstörungen, Magenkrämpfen, Durchfall eingesetzt.

Entspannende Wellness mit Rosenblüten – Rosenblüten-Bad

Warmes Wasser ins Bad einlaufen lassen und in das Badewasser 2 Handvoll duftende Rosenblüten geben. Eine andere Variante ist, in das Badewasser eine Mischung aus 3 Tropfen Rosenöl und etwas Sahne zu geben. Mit Kerzenlicht und schöner Musik sorgt dies für Entspannung nach einem anstrengenden Tag.

Die Anwendung der angeführten Rezepturen erfolgt auf eigene Verantwortung und ersetzt keinen Arztbesuch. Eine Haftung der Verfasserin bzw. der Redaktion ist ausgeschlossen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • D. Albrodt, Illustrierte Enzyklopädie der einheimischen Blütenessenzen, Edition Tirta, 1998
  • U. Bühring, Alles über Heilpfl anzen, Ullmer, 2007; H. Fischer, Frauenheilpflanzen, Nymphenburger, 2006
  • H. Hatzfeld, Heilpflanzen als Weg-Begleiter, Via Nova, 2013
  • S. Hirsch & F. Grünberger, Die Kräuter in meinem Garten, Freya, 2013
  • M. Madejsky, Lexikon der Frauenheilpfl anzen, AT Vlg., 2007
  • Ch. Maute, Homöopathie für Rosen, Narayana Vlg, 2013
  • K. Rosenberg, Dr.med. K. Nagersheth, Dr. A. Küthe Albrecht, Ayurveda mit heimischen Pflanzen, blv, 2015

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Ernestine Astecker ist kant. appr. Naturheilpraktikerin und arbeitet in eigener Gesundheitspraxis in Fruthwilen, im Thurgau. In Kräuterkursen und auf Kräuterspaziergängen gibt sie gerne ihre Begeisterung, ihr Wissen und ihre Erfahrung über Heilpflanzen weiter.
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NATURZYT Ausgabe Juni 2016, Text Ernestine Astecker, Foto AdobeStock, Ernestine Astecker, Virginia Knaus

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